Neuerscheinung: Reading the Body of Christ

Die Publikation zum DFG Forschungsprojekt ist erschienen.

Reading the Body of Christ

Projektbeschreibung "Leib Christi - gendertheoretische Dekonstruktion eines zentralen theologischen Begriffs"

Der „Leib-Christi“-Begriff ist in seiner Relevanz für Christologie, Ekklesiologie und Sakramententheologie ein Schlüsselbegriff theologischer Reflexion. Zugleich besitzt er bezüglich der konkreten kirchlichen Praxis eine legitimierende Funktion im Blick insbesondere auf das Amts- und Kirchenverständnis. Das Projekt verfolgt eine doppelte Perspektive: Zum einen erfolgt eine kritische Relecture der Genese, der Bestimmung und der Funktion dieses Begriffs an ausgewählten theologischen Konzeptionen der Theologie des 20. Jahrhunderts aus gendertheoretischer Perspektive, womit eine systematisch-theologische Leerstelle gefüllt wird. Dabei stehen die Fragen nach den prägenden Körperbildern und kulturell bzw. gesellschaftlich bedingten Konstruktionen von „gender“  in bestimmten theologischen Reflexionen zum Leib Christi im Zentrum der Analyse. Des Weiteren wird die legitimierende Funktion dieser Konstruktionen mit Blick auf konkrete kirchliche wie gesellschaftliche Praxen untersucht. Deshalb erfolgt im Projekt auch eine Konzentration auf die christologische und ekklesiologische Bedeutung des Begriffs, die sakramententheologische Dimension wird vorrangig in Bezug auf die Sakramentalität der Kirche als Leib Christi thematisiert.

Zum anderen wird auf der Basis dieser kritischen Relecture des Leib-Christi-Begriffs ein Modell einer „gendersensiblen“ Theologie des Leibes Christi entwickelt, das theologisch-anthropologische Reflexionen zur Bedeutung von Leib und Körper aufgreift, in denen subjektivitäts- und freiheitstheoretische Konzeptionen theologischer Anthropologie aus dem Kontext erstphilosophisch orientierter systematischen Theologien mit phänomenologischen Überlegungen zu Leib und Körper verknüpft werden. Diese neu formulierte Theologie des Leibes Christi, die sowohl christologisch als auch ekklesiologisch relevant ist, wird auch im Blick auf konkrete Felder der kirchlichen Praxis formuliert, insbesondere in ihrer Bedeutung für das Amtsverständnis.

Projektleitung

Prof. Dr. Saskia Wendel

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Aurica Nutt

Wissenschaftliche Hilfskraft

Miriam Leidinger

Reading the Body of Christ

Internationale Fachtagung am Institut für Katholische Theologie, Universität zu Köln

Im Rahmen einer zweitägigen internationalen Fachtagung sind erste Ergebnisse des DFG-Forschungsprojektes „Leib Christi – eine geschlechtertheologische Relecture“ sowie zentrale Forschungsfragen mit einer ausgewählten Runde von 30 Expert/inn/en und Interessierten aus Deutschland, Großbritannien und den USA diskutiert worden. Das Ziel der Tagung war es, der Bedeutung der Leib Christi-Metapher in Christologie, Ekklesiologie und theologischer Anthropologie nachzugehen und sich mit der Frage nach der Darstellung bzw. Nicht-Darstellbarkeit des Leib Christi mit Blick auf die Kategorie „Geschlecht“ auseinanderzusetzen.

Prof. Dr. Saskia Wendel (Universität zu Köln) verwies in ihrer Einführung ins Thema auf das zentrale Paradoxon der Konstruktion von Leib Christi-Bildern auf der einen und ihrer Legitimationsmacht auf der anderen Seite, das in den Vorträgen, Responses und Diskussionen der Tagung thematisiert wurde. Dr. Aurica Nutt (Universität zu Köln) explizierte dieses anhand erster Forschungsergebnisse und kontrastierte vor allem die Leib Christi-Theologien Hans Urs von Balthasars und Karl Rahners. Prof. Dr. Graham Ward (University of Oxford) vertiefte in seinem Vortrag den aporetischen Gehalt des Natur-Begriffs des Konzils von Chalcedons und nutze ihn, um daran Leitlinien für eine gegenwärtige theologische Auseinandersetzung mit Leiblichkeit zu benennen. Prof. Dr. Gerard Loughlin (University of Durham), Dr. Ludger Weckel (Borkum), Prof. Dr. Tina Beattie (University of Roehampton, London) und Prof. Dr. Roman Siebenrock (Universität Innsbruck) reflektierten in ihren Vorträgen jeweils einzelne Leib Christi-Theologien des 20. Jahrhunderts. Jede relecture – ob zu Joseph Ratzinger, Jon Sobrino, Hans Urs von Balthasar und Karl Rahner – brachte dabei nicht nur einen anderen theologischen Kontext mit ein sondern auch einen neuen Schwerpunkt hinsichtlich des Leib Christi-Motivs. So wurden nicht nur die in- und exklusivistischen Konsequenzen der Metapher oder die Problematik eines Gender-Essentialismus diskutiert, sondern auch die Frage nach der Möglichkeit zur Entdramatisierung von Geschlecht und einer neuen Wertschätzung von Leiblichkeit mittels der Leib-Christi-Metapher. Welches suggestive Potential die Leib Christi-Bilder mit Blick auf die Konstruktion von Männlichkeit entfalten, wurde schließlich anhand ausgewählter Beispiele aus Film und Bildender Kunst durch den vergleichenden Religionswissenschaftler Prof. Dr. Björn Krondorfer (University of Flagstaff, Arizona) vor Augen geführt.

Die Veranstalterinnen der Tagung sahen sich am Ende der Tagung in ihrer Absicht bestärkt, auf der Grundlage der dekonstruktiven Arbeiten am Leib Christi-Motiv im Rahmen des DFG-Projekts eine theologische Neubetrachtung und Rekonstruktion dieser umstrittenen Metapher anzugehen.

Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Fachtagung

Im Rahmen des DFG Projektes fand vom 25. bis 27. März 2015 an der Universität zu Köln die Tagung "Leib Christi - eine geschlechtertheologische Relecture" statt.

Den Flyer zur Tagung  finden Sie hier.