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DFG-Projekt: Die theologische Relevanz von Michael Tomasellos 'Evolutionärer Anthropologie'

 

Die evolutionäre Anthropologie, wie sie exemplarisch von Michael Tomasello betrieben wird, ist ein gleichermaßen rasant wachsendes wie theologisch bisher kaum rezipiertes Forschungsfeld. Das Forschungsprojekt hat das Ziel, die Potenziale und Grenzen der evolutionären Anthropologie Tomasellos für eine interdisziplinär anschlussfähige theologische Anthropologie zu erarbeiten und kritisch zu evaluieren.

Dazu unternimmt das Projekt zunächst eine umfassende systematische Rekonstruktion von Tomasellos Ansatz, um den anthropologischen Ertrag seines Werks zu ermitteln und sein Grundanliegen in die theologische Forschungsgemeinschaft allererst einzuführen. Diese Rekonstruktion ist eingebettet in eine methodisch-wissenschaftstheoretische Analyse der Relevanz evolutionärer Ansätze für eine theologische Anthropologie. Im Anschluss erfolgen zwei exemplarische Tiefenbohrungen in zentralen Bereichen der theologischen Anthropologie: dem mind-body Problem und der Frage nach dem menschlichen Freiheitsvermögen.

Die Arbeitshypothese des Forschungsprojekts besteht in der Annahme, dass ein Dialog zwischen theologischer und evolutionärer Anthropologie zu wechselseitigen Erweiterungen der jeweiligen Konzepte führen kann: Eine theologische Anthropologie könnte durch eine Berücksichtigung der natürlichen Genese spezifischer menschlicher Vermögen ein vertieftes Verständnis ebendieser Vermögen erlangen, ohne einen (reduktiven) Naturalismus bejahen zu müssen. Eine evolutionäre Anthropologie hingegen sollte zentrale Einsichten der theologischen Anthropologie, insbesondere im Hinblick auf die Denkvoraussetzungen der Freiheit und der mit ihr verbundenen Fähigkeit zur Selbst- und Weltdeutung, berücksichtigen.

Durch eine Auseinandersetzung mit der evolutionären Anthropologie kann daher einerseits die interdisziplinäre Anschlussfähigkeit der theologischen Anthropologie profiliert werden; und andererseits kann die theologische Anthropologie ihre kritischen Potenziale durch das Markieren der Leerstellen und Grenzen eines rein evolutiv denkenden Ansatzes unter Beweis stellen.

Das Projekt wird geleitet von Dr. Dr. Martin Breul. WHB des Forschungsprojekts ist Judith Didden